Was der Erdüberlastungstag bedeutet
Der Earth Overshoot Day (deutsch: Erdüberlastungstag) markiert den Tag, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Berechnet wird er jährlich vom Global Footprint Network gemeinsam mit der kanadischen York University – betrachtet werden fünf Bereiche: Fischbestände, Landnutzung für Äcker und Weiden, forstwirtschaftliche Flächen und CO₂-Emissionen.
Die Folgen der Übernutzung sind längst sichtbar: Entwaldung, degradierte Böden, der Verlust biologischer Vielfalt und steigende CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre. „Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter", sagt Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland.
Später als 2025 – aber keine Entwarnung
Im vergangenen Jahr fiel der Earth Overshoot Day noch auf den 24. Juli. „Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr sechs Tage später liegt als 2025, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin deutlich über die ökologischen Grenzen unseres Planeten hinaus wirtschaften", so Schulz. Die Verschiebung geht überwiegend auf aktualisierte Daten zurück – insbesondere eine höhere Schätzung der Kohlenstoffaufnahme der Ozeane – und stellt keine tatsächliche Verbesserung der globalen Ressourcennutzung dar.
Ressourcenleicht leben ist möglich
Die WWF-Studie „Ressourcenleicht Leben 2045" zeigt: Es ist möglich, den vom Umweltbundesamt auf 16 Tonnen pro Kopf und Jahr bezifferten durchschnittlichen Ressourcenverbrauch in Deutschland zu halbieren – und trotzdem ein gutes Leben zu führen. Anhand von fünf fiktiven Charakteren mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten wird deutlich, wie das im Alltag aussieht. Die Gemeinsamkeit: ressourcenschonende Mobilität, eine stärker pflanzenbetonte Ernährung und längere Lebenszyklen von Möbeln und Elektrogeräten durch Reparatur und Wiederverwendung.
„Ressourcen sparen und ein gutes Leben führen, sind keine Gegensätze", sagt Schulz. Nötig seien ein entschlossener Ausstieg aus fossilen Energien und eine konsequente Priorisierung zirkulärer Geschäftsmodelle – die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der geplante europäische Circular Economy Act böten die Chance, verbindliche Ressourcenschutzziele gesetzlich zu verankern.
Was das für Anleger bedeutet
Für wirkungsorientierte Anleger ist der Erdüberlastungstag mehr als ein symbolisches Datum: Er zeigt, wo der größte Handlungsbedarf liegt – und damit auch, wohin Kapital fließen muss. Zirkuläre Geschäftsmodelle, Reparatur und Wiederverwendung sind genau die Felder, die Impact-Investoren über die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (insbesondere Ziel 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion) gezielt finanzieren können.